Donnerstag, 23. August 2018

Tris der Schrecklichkeiten

Auf der Parkbank saß ein Herr und rauchte Zigarillo. Zu seinen Füßen stand eine Anderthalbliterflasche Coca Cola; hierzu stellte er ein beachtliches Maß an Selbstmitleid zur Schau.
Da dachte ich mir: eine Kombination von derartiger Beschissenheit muß man auch erstmal mit solcher Perfektion hinbekommen.

Donnerstag, 16. August 2018

Beweis der Hirnschmelze

Im Rahmen eines anspruchslosen Messejobs besuchte ich die sanitären Anlagen und wusch mir zunächst die Hände, sodann schritt ich zum Urinal. Derweil lief das Wasser aus dem Wasserhahn munter weiter. Und wie ich da so stand, hörte es nicht auf zu laufen. Ich wunderte mich über die seltsame Frequenz, in welcher der Wasserlaufabschaltmechanismus, der ja nun an den meisten öffentlichen Waschbecken installiert ist, vor sich hin lief. Ich zählte gar die Sekunden bis zum Versiegen des Wasserstrahles und begann mich über die Wasserverschwendung zu ärgern.
Bis es mir aufging, daß der Hahn per Hand wieder zuzudrehen war und niemand sonst außer mir für diese ärgerliche Episode im Laufe der Gestirnsgeschichte verantwortlich war!
Dumm, nicht wahr? Ich möchte es auf die dauerhafte Hitze schieben, die für eine Dürre im Synapsenfeld gesorgt hatte.

Mittwoch, 15. August 2018

Von der Selbsterkenntnis

Fußläufig erreiche ich den wohl schlechtesten Supermarkt erdballweit und verzichte meist darauf, hineinzustiefeln, doch da ich zu retournierende Pfandflaschen nicht durch die halbe Stadt schleppen möchte, kann ich bisweilen nicht umhin, dem Saftladen doch einen Besuch abzustatten.
Fast immer ist einer der beiden Pfandautomaten außer Betrieb. So auch gestern. Da dachte ich bei mir: Bis hier hin und nicht weiter! DAS werde ich nun dokumentieren und öffentlich machen! Ein Pfandautomatenprotokoll muß her!
Doch kaum hatte ich das Telephon mit eingebauter Kamera gezückt, da stellte ich erschaudernd fest, daß ich auf dem besten Wege war, wegen Kleingeistigkeit denunziatorisch zu handeln. Umgehend verließ ich den Ort des Geschehens und schüttelte meinen Kopf wegen selbigem.

Montag, 13. August 2018

Zu Besuch bei der Frittenfreude

Der Vorteil analoger Werbung sei hier mal aufgezählt: Der interessierte Werbezettelaufklauber faltet denselben und stopft ihn in die Manteltasche, dort verbleibt das Stück Papier und wird irgendwann wieder hervorgezogen. Nicht mit einem Taschenentleerer aus Hirschleder, wie ich ihn heute (für 89 €) in einem Schaufenster erblickte, doch mit einer gewissen Chance, daß das Beworbene sich einen Weg in die Tiefen der Synapsen gebahnt hat.
Kurzum, ein ziemlich halbes Jahr, nachdem mir besagter Flyer der Frittenfreude in die Hände geflattert war, besuchte ich also die "neue" Frittenschmiede in der Innenstadt. Glücklicherweise halte ich mich in diesem Gebiet der Hanselstadt ja niemals auf, und ebenso glücklicherweis achte ich ja nicht wirklich auf Inenneinrichtungen, denn dann wäre mir ja aufgefallen, daß es hier sehr innenstädtisch aussieht, und auch wenn mir der "ichwarneulichinbrooklynunddeswegenmußmeinburgerladenauchsoaussehen"-Stil mittlerweile doch kreuzdonneröde vorkommt - ein wenig einladender als diese leicht bürohafte Anmutung finde ich das abgeranzte Gehabe schlußendlich doch.

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Doch bleiben wir beim Thema. Ich wählte "FRITTEN LOVE AND PEAS" mit Kichererbsen und Hummus und werde nun nicht als wie ein krankhafter Nörgelhans daherkommen und mich über den ubiquitären Wortspielzwang hermachen, der nach den Fahrrad- und Haarschneidegeschäften nun auch die Gastronomie heimsucht. Vielmehr machte ich mich frohgemut und von ausgeprägtem Hunger angespornt über die rasant servierte Pappschale her.
Und zwar: Die Pommes sind kompetent fritiert und gewürzt; die Kombination mit Kichererbsen ist famos, derdas Hummus einwandfrei und die Kombination aus allem so zwingend logisch, daß man sich fragt, wieso das überhaupt noch eine erwähnenswerte Neuerung ist. Für mich zumindest. Lediglich die drei Falafel-Kugeln, die ich mir für einen geringen Aufpreis aufstapeln ließ, weckten nicht allein Wohlbehagen; sie waren innerlich zu pappig, doch lang kein Grund, pampig zu werden!

Ebenso wie dem irgendwo dort um die Ecke liegenden Laden, in dem ich vor gut zwei Jahren das bis dato beste Pastrami-Sandwich Hamburgs aß und dessen Namen ich dennoch vergessen habe, kann ich jedoch der Beziehung Wennefelder/Frittenfreude einen deutlichen Verbindungsnachteil durch die Lage in der Großen Bäckerstraße konstatieren. Doch warte man nur ab - sobald ich eine Anstellung im Parkhaus Große Reichenstraße ergattert habe bzw. endlich zum Bürgermeister Hamburgs gekürt worden bin, werde ich mich sicherlich auch noch durch den Rest der Speisekarte speisen.

Mittwoch, 8. August 2018

The Flashing Astonishers

Kaum ein Mensch, der noch CDs hört, so weit ist es ja gekommen. Auch ich habe nur noch in der Küche ein entsprechendes Abspielgerät, erstaunlich, wie altmodisch es wirkt. Meine CDs habe ich noch nicht weggeworfen, sie stauben in der Abstellkammer ein. Gestern holte ich einen kleinen Stapel hervor, darunter "On Involuntary Bliss" der aus Syracuse stammenden Band The Flashing Astonishers. Ich konnte mich nur noch daran erinnern, daß ich das erste Lied "Four Chords" seinerzeit, also ca. 2002, formidabel gefunden habe. Es ist auch mal auf einer Mixkassette gelandet, allein, auf welcher bloß?
Während der Zubereitung eines Gulaschs aus veruntreutem - dies sei nur zur Karmarettung erwähnt - Wildschweinrücken hörte ich das Album einmal durch, sie kam mir zunächst farbloser vor als dereinst. Wird sie nun das Schicksal so vieler CDs ereilen? Verstauben, erodieren, nach meinem Ableben in den Sondermüll gegeben werden? Wie es scheint, könnte ihr das erspart bleiben. Ich werde sie in Zukunft des öfteren "auflegen", beispielsweise beim Abspülen. Ich werde über die Anschaffung eines Bügelbrettes nachdenken. Ich werde möglicherweise gar ein Bügelzimmer einrichten, wo ich der Einfachheit halber nur den portablen CD-Toaster aufstellen werde. Zusammen mit der CD "To The South" der seltsamen niederländischen oder belgischen LowFi-Kapelle PLOVER, die ich mittlerweile (nachdem ich sie für über zehn Jahre sogar gänzlich vergessen hatte) in der Vinylversion sogar auf meine discogs-Suchliste gesetzt habe, wird "On Involuntary Bliss" überleben. Die Farblosigkeit, die ich gestern noch gespürt habe, wird weichen, ich werde neue Lieblingslieder wählen und schlußendlich einen Bügelservice eröffnen.

Nachtrag: Wer sich für angenehm melodischen Shoegaze-Rock interessiert, bekommt die CD für nen Zwickel oder weniger an den entsprechenden Stellen des www.

Dienstag, 7. August 2018

Adenauerhut: Doch kein alter Hut?

Nur zum Beweis, daß ich mir grundsätzlich den größtmöglichen Umstand mache, habe ich soeben erst festgestellt, daß diese Plattform ja gar nicht wie von den twoday.net-Betreibern angekündigt in Offline-Tiefen versenkt wurde. Und zwar wenige Minuten, nachdem ich irgendwo anders endlich und widerwillig einen unansehnlichen Ersatz angelegt hatte, bei dem ich mir ständig dachte: Is' aber häßlich!
Nun, wie auch immer. Die im Mai noch unabwendbar vor mir liegende Abschaltung meines Online-Tagebuches war mir natürlich auch eine nur zu liebe Ausrede, eine ganze Weile gar nichts zu schreiben, aber nun möchte ich alle Abwesenden herzlich Willkommen heißen, von neuem an meiner nebensächlichen Welt teilzuhaben. Ein besonderer Dank gilt Johannes Schardt, der es verabsäumte, mich auf die Möglichkeit einer nicht von Unterbrechung unterbrochenen Weiterführung dieses… ach, lassen wir das! Hätte vor die Ellipse nach "dieses" eigentlich ein Leerzeichen gehört?

Sonntag, 27. Mai 2018

Umzug

Leider wird ja diese Plattform bald versenkt: twoday.net stellt den Betrieb ein und löscht sämtliche Inhalte.
Nun, mal sehen, ob ich die Texte in irgendeiner Form retten kann, und wer wissen möchte, ob und wo es weitergehen wird, kann sich ja an adenauerhut@web.de wenden. Informationen etwelcher Art werden dann in gewisser Zukunft gegeben werden!

Montag, 14. Mai 2018

Kaltfront auf dem Hafengeburtstag

Durchaus eher zufällig kam mir zu Augen, daß die aus Dresden stammende Punkband Kaltfront auf der Jolly-Roger-Bühne im Rahmen des zweifelsfrei mittlerweile als verhaßte Maßnahme der Eventhuberei gelten müssende Kackveranstaltung "Hafengeburtstag" aufspielen täte. Grund genug für mich jedoch, aus einer Mischung aus Neugierde und Sentimentalität mal Richtung Hafenstraße zu eiern, und zwar im Verbund mit dem geschätzten Genossen Alex T., mit welchem ich am späten Nachmittag just pünktlich zum wohl unverschämtesten Linecheck aller Zeiten aufschlug: die als Hamburger "Urpunk" oder so angekündigte Band C3I (nun, wie macht man denn hier ohne größere Umstände diese Hoch-3-Drei?) schaffte es tatsächlich, qua im Viertelstundentakt abgehaltener Instrumententests, den Zeitplan radikal in Verzug zu bringen - ob das schlicht mißverstandene "Professionalität" war oder tatsächlich mit der Veranstaltung abgesprochen, sei mal dahingestellt und mir auch gleichgültig, ging uns aber doch gehörig auf die Nerven: wir sind auch alt und orientieren uns nunmal gerne an Zeitplänen, Punks!
CeeCubicEye erbarmten sich nach geraumer Zeit dann also zum Beginn, und zuvörderst der mit schweren Kopfhöreren und noch schwererer Tom-Behandlungs-Vorliebe ausgestattete Schlagzeuger ließen uns nach kurzer Zeit den Geschehensort wieder verlassen. Die ungute Idee, den Hafengeburtstag auch an seinen noch unangenehmeren neuralgischen Orten zu betrachten, erwies sich als nachgerade beschissen, als wir an der NDR-Bühne die von einer unsäglichen Top-40-Band dargebotene, mit Sicherheit leidenschaftsloseseste und allerschlechteste Version aller Zeiten des ohnehin schon überaus zweifelhaften Kings of Leon-Liedes "Sex On Fire" bestaunen durften. Daß zeitgleich zum ekelerregenden Auftritt dieser Pennercombo aus allen Rohren hupende Dampfer die Elbe herabglitten und die (Eigen-?)komposition "Shut Up And Dance!" in Grund und Boden posaunten, tat unserer Laune allerdings sehr gut.
Nun! Nachdem ich den Genossen bei seiner Barschicht im "Grünen Jäger" abgeliefert hatte, begab ich mich nach kurzem Umweg zum Altglascontainer wieder zurück zur Jolly-Bühne direkt beim "Onkel Otto", wo ich noch das letzte Lied der Band Wirrsal miterleben durfte; deutschprachiger Crustpunk mit Kriegsbemalung: "Voll auf die Fresse!" - beachtlich.
Immerhin schaffte es die Kaltfront, Aufbau und Linecheck innerhalb verhältnismäßig kurzer Zeit zu absolvieren und den Abend nahezu in den Zeitplan zurückzuhieven.
Was soll ich sagen! Trotz des vor allem zu Beginn eher diskussionswürdigen Sounds stellten sich umgehend bei "Von hier bis zur Ewigkeit" und "Tot wie Spielzeug" vor Rührung meine Nackenhaare auf. Offenbar sind diese Lieder völlig unkaputtbar, und der wirklich sehr gute neue Schlagzeuger tut dem ganzen keinen Abbruch. Überhaupt war dem Tonbrei zu entnehmen, daß die Band aktuell ausgesprochen ausgezeichnet ist; und die dezent zur Schau gestellte Arroganz des Sängers (der Ende der 80er schonmal dabei war, wobei ich nicht weiß, ob er z.B. auf dem 'Mini-Tape' gesungen hat, vermutlich aber: nicht) gefiel mir sehr gut. Aber: hat der eigentlich die ganze Zeit Kaugummi gekaut? Der hat doch zwischendurch auch geraucht! Das ist doch bekanntlich in Verbindung wahnsinnig gesundheitsschädlich!
Wie auch immer: Daß ich die letzten Hamburgkonzerte der Band wegen Absenz oder schlichter Ignoranz immer verpaßt habe, kann man durchaus als ärgerlich bezeichnen. In Sachen melancholischer Punkrock ist die Kaltfront nämlich eine Ausnahmeerscheinung, und zwar weil es ihnen an Blasiertheit, Gespreiztheit, überkandidelter Theatralik und zur Schau gestellter Lappendepression fehlt. Vielmehr zeichnen sich die Texte durch eine gesunde Distanz aus, auch in den teilweise recht gnadenlosen Selbstbetrachtungen. Und auch musikalisch umgeht man dezent jedes Pathos.
Aber zum Glück ärgere ich mich ja nicht mehr. Auch nicht darüber, daß mir die haushaltsüblichen Punks und die mit Punkveranstaltungen einhergehenden Begleiterscheinungen mittlerweile genau so auf die Nerven gehen wie die herkömmlichen Besucherinnen und Besucher solcher Drecksereignisse wie dem Hafengeburtstag.
Kurzum, kurz nach dem letzten Ton der Kaltfront verließ ich beseelt den staubigen Ort des Geschehens und latschte vollkommen bierfrei nach Hause. Das sei hier nämlich nochmals betont: Dieser Samstag war unalkoholisch. Eigentlich schade.

Interessante Frage: Ist der "neue" Gitarrist Willi Löffler etwa der Neffe von Bassist Sonic Jörg?

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