Sonntag, 12. November 2006

Parabel vom Schuster Kovic

Einst lebte der Schuster Kovic in der Woiwodschaft Lublin in einer klapprigen Kate und nagelte dort Schuhwerk für fahrendes Volk und Bäuerlein aus der Umgebung. Karg war sein Dasein, doch klagte er nimmer. Nur sein Sohnemann, der war nicht recht geraten. Der blutrünstige Paul Konopacka, wie man ihm im Dorfe hieß, vertrank die wenigen Silberlinge, die das bittre Schuhwerken eintrug, oder er trug sie ins Hurenhaus, denn er war den Dirnen und dem Opium zugetan wie sein armer Vater der harten Arbeit und dem gerechten Dasein vor Gottes Augen.
O, wie brach's dem armen Schuster stets von neuem das Herz, wenn er den Dreizehnjährigen spät nachts, vom Gift ganz entmenscht und mit dem Ruche der käuflichen Mädchen bepatzt, in die Werkstatt rumpeln sehen mußte! Zitternd stand da der gute Mann und hielt die Ahle in der geballten Faust, sie dem mißratnen Übelsohne ins dustre Herz zu rammen. Doch bracht' er es über sich? O nein, sein Vatersherz klammerte sich an einen letzten Hoffnungszipfel, daß der üble Nachkomme noch auf den rechtschaffnen Weg zurückfinde.
Eines Abends furchte der Trunkenbold erneut die Gastwirtschaft, dann die Weiber, und schließlich in Suff und Pfeifenrausch den jämmerlichen Gemüsegarten des bemitleidenswerten Schusters. Der nun wußte sich nicht mehr zu helfen und ließ die Faust auf den tranigen Heimkehrer niedersausen.
Da brach der Sündenpanzer vom Jüngling, und er schwor dem Met, den Mädchen und dem Rauchkraut ab, ward ein fleißiger und bescheidener Schustersgesell und alsbald sollte bis ins entfernte Warschau, ja, wie man hört, gar bis nach Lemberg der Ruf dringen, daß nirgends bessere Gamaschen geschustert werden wie beim Schuster Kovic & Sohn.

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