Mittwoch, 25. April 2018

Vom allein ins Kino gehen

Es gibt Dinge, die kann man teilen, man muß es aber nicht tun. Das Flanieren gehört dazu, ohne Begleitung wird daraus ein Aufräumen des Geistes, ein möglicherweise von sofortigem Löschen des Erkannten geprägtes Gehampel durch die Erkenntnis.
Es gibt wiederum Dinge, die allein zu tun keine Freude bereiten; hierzu gehört beispielsweise das Bereiten von Speisen - wobei: bereiten kann man sie ja in einsamer Kontemplation, nur sollte dann jemand da sein und die Freude des Aufessens teilen.
Nun, und so gibt es eben Tätigkeiten, deren Verrichtung ohne Begleitung die Vereinsamung vorantreiben, und es gibt eben welche, die dem Geist dienen. So zum Beispiel: Alleine ins Kino gehen, alleine dem Rausch frönen, alleine nichts tun, alleine essen gehen. Allesamt keine besonders gut beleumundeten Tätigkeiten, schnell gilt man der vom Geselligkeitszwang zerfurchten Außenwelt als Eigenbrötler und miesepetriger Schrat. Ein Humbug sondergleichen!
Ich für meinen Fall habe mir heute ohne Mitmenschen (und das ist nahezu wörtlich zu nehmen, im Lieblingskino saßen hiner mir ungefähr vier weitere Personen) den wunderschönen Endlebensfilm oder Lebensendfilm "Lucky" angeschaut, und die gleichnamige Hauptfigur war mir auf eigenartige Art und Weise nahe, möglicherweise auf eine Art, die sich nicht hätte einstellen können, wäre ich mit Begleitung ins Kino gegangen.
Harry Dean Stanton in seiner allerletzten Rolle ist unsagbar beeindruckend, schratig, einsam, ohne wirkliche Begleitung: und diese Figur hat in ihrer Todesverachtung und tiefen Seelenruhe einen wirklich tiefen Eindruck auf mich, den einsamen Cineasten (pfff…) hinterlassen.
Nee, mal im Ernst: Schaut Euch diesen Film an. Und zwar am besten allein, denn allein lacht und weint es sich doch auch recht gut.

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