Dienstag, 23. August 2011

Vom falben Tage

Zwischen beruhigender Ödnis und schierer Wirrsal changierend, so sehe ich dem baldigen Lebensabend entgegen. Absinkend in die strammen Arme des Bacchus, eine lichtselige Begegnung, die zu jedweder Tages- und Nachtstunde sich ereignen kann, dergestalt absinkend entgeht man flink der Zurichtung durch das, was Denker als die Zustände bezeichnen, und nur auf diese Weise lassen sich besagte Ödnis und Wirrsal zur schieren Klarheit modellieren, und nur in diesem einzigartig kristallinen Zustand weicht der Schleier des grundverdorbenen Alltags. Wird auch jede Einsicht noch vom Fusel gelöscht, wird die Bibliothek der Erkenntnisse auch noch vom Brand des Morgens dahingerafft, nichts weiter möchte ich vor der Pforte des Himmels zu Protokoll zu geben haben, als daß ich die besten Augenblicke des Daseinsseufzers in den dunklen Abstellkammern der Menschheit zugebracht habe, in Bierschwemmen, apokalyptischen Saufkellern und den vom Staub so vieler Schicksale verhangenen Etablissements der späten Einsicht.

Sonntag, 21. Januar 2007

Fragwürdige Freuden

Man übersieht es gern, doch da hier der Wahrheit schon manche Lanze gebrochen wurde, verschone ich Euch auch heute nicht mit Unerhörtem und gern Verdrängtem:
Rein theoretisch ist es möglich, daß Bill Gates jeden verfluchten Morgen direkt nach dem Aufstehen einem teuren Zuchthahn den Hals umdreht! Das Kapital hat er ja "am kleinen Finger"!

Dieses perverse Miststück!

Freitag, 5. Januar 2007

Wider die Erwerbstätigkeit

Warum man niemals an einen regulären Arbeitsplatz sich begeben sollte zum Behufe der Lohnsklaverei, das ist doch ganz offensichtlich.
Zunächst: der Seniorchef, ein Quargmännlein (d.i.: " er ist drei Quärge hoch") bemitleidenswertesten Ausmaßes, stellt Dich aus Gründen seniler Art ein. Die Belegschaft mault, was soll dieser Fatzke hier?

(Der Verfasser dieser Zeilen nickt bald ein, Fortsetzung folgt!)

Samstag, 23. Dezember 2006

Zum heiligen Abend

Ja, man soll auch mal an die armen Leute denken, beispielsweise Afrikaner, oder Vietnamesen, die in baufälligen Koben dahinsiechen, an die Gefangenen in den Knästen und die Opfer fanatischer Politiker wie der Roten Armee Fraktion, an die Toten, die in Verkehrsunfällen zu Boden fallen, an die Verlassenen, die sich von Brücken stürzen oder zu weit aus dem Fenster lehnen, an Waisen, Witwen und auch an die, die niemanden haben im Leben. Gerade an Heiliger Abend, wo der Jesus Geburtstag hat, ist das Gedenken an die Verlorenen eine wichtige Aufgabe.

Dies zu betonen ist mein heutiges Anliegen.
Ich wünsche erholsame Feiertage, oder man soll mal richtig einen Zischen gehen!

Freitag, 8. Dezember 2006

Gewürzsonett zum winterlichen Zurücklehnen

Noch vor wenigen Sekunden hielt ich mich kurz für Dante, fürderhin glaubte ich einen Augenblick lang, Petrarca zu sein und ja, dann war ich für ein Momentlein Shakespeare. Zumindest hielt ich mich für einen Poeten, der ein Sonett zu schreiben in der Lage ist. Sehr ärgerlich, daß die Wahrheit gänzlich anders aussieht und ich von Metrik nicht die geringste - bzw.: gerade mal eine geringste Ahnung habe, aber schon jammernd einknicke, wenn Straßengangster mir befehlen, einen zweihebigen Jambus vorzutragen, damit ich ungeschoren davonkomme.
Was nun? Wie versöhne ich die Leserschaft mit meiner kurzfristigen Großtuerei, die erneut zu nichts führte? In keinem Falle wohl mit einem Sonett.
Doch sehet: ich umschmeichle Euch mit einer wohligen Kleinigkeit, die jeden Groll über den Jordan schaufeln sollte.

Der Backhase

Ein Häslein, dort am Waldesrand,
wo einst die Teufelseiche stand,
baute dort ein Öflein hin,
Kuchen backen hat's im Sinn.
Lecker lecker Kardamom
und däs Häslein bäckt ganz fromm.
Lädt sich Füchslein, Rehlein ein:
Kaffeekranz im Sonnenschein.

(Anm.: Der Dichter wurde soeben von einem Rührseligkeitsanfall heimgesucht und liegt nun auf der Intensivstation des Krankenhauses ELIM in Eppendorf, Zimmer 512 - laut Stationsleitung (Dr. Eisenhut) werden die Maschinen in den nächsten Tagen abgestellt.)

Donnerstag, 30. November 2006

Frommer Wunsch

Da liegt man also am Boden, zerschlissen von Gifststoffen aller Art, oder aber man lehnt an einer morschen Buche, die vom Feuerbrand schon vor Jahren dahingerafft wurde, der Schnaps steht einem direkt unterm Hals und man hat Mühe, sich senkrecht zu halten. Oder aber man schwankt völlig entmenscht durch die Holzwege seiner kümmerlichen Existenz, blind vom Fusel und vom vielen Kokain und ruft völlig schuldlosen Personen, in deren Antlitz man die große Liebe wiederzuerkennen glaubt, die einem ehedem Ruhe, Anstand, Unschuld, Herz und Würde raubte, im eigenen Schnauben untergehende und verröchelnde Schwüre zu, denen man selbst im geringsten nicht glaubt. Ja, soweit ist es gekommen, man ist nur noch ein falbes Abbild des Menschen, der man einst zu sein gedachte. Mit verschmuddelten Tatzen tastet man also nach dem Flachmann in der Innentasche dessen, was "damals" noch ein ansehnlicher Mantel war. Das Fläschchen ist leer, es ist schon seit Wochen leer, doch vermag man's zu verstehen? Löchrig, wie vermilbt ist der Geist, das Herz bereits im letzten Stottern verhakt.
In dieser wüsten Stunde steht also plötzlich eine Fee im nebligen Vorabend, sie hat jenes überirdische Lächeln, sie hat Augen, die noch den verderbtesten aller Verderbten auf den Pfad der Tugend zurückbrächten. "Was ist Dein Wunsch?" haucht sie, und jedes dieser Worte trifft mich wie eine zuckrige Wolke aus reiner Reinheit. Ich überlege nicht lange, raune ihr ein paar Worte ins Ohr und finde mich wieder in einer prächtig ausgestatteten LoungeBar in Londons Süden. In feinstem Tweed sitze ich am gläsernen Tresen, vor mir einen Gin Fizz und ein Schälchen mit gerösteten Birnenspalten. Auf dem gegenüber der Bar liegenden Samtdiwan entspannt sich kein geringerer als Freddy Mercury. Er ist gar nicht aufgrund der Immunseuche verschieden, im Gegenteil, er sieht vitaler aus denn je! Lächelnd winkt er mir zu und weist auf eine recht langbeinige Schönheit, die keine zwei Meter entfernt von mir am Tresen sitzt und sich räkelt. Freddy klatscht zwei Mal in die Hände und zwinkert mir verheißungsvoll zu - da fällt es mir ein! Ich bin ja der persönliche Unter-den-Rock-Gucker von Freddy Mercury, der aufgrund seiner homoerotischen Neigung gar kein Interesse daran hat, was die Diven dieser wilden Sündenstadt zwischen ihren Schenkeln haben. Für das bescheidene Salär von zwölftausend Pfund monatlich also muß ich den von Herrn Mercury auserwählten Ladies unter den Mini lugen. Und langsam wird mir klar, daß ich schon doofere Jobs hatte in meinem Leben.

Sonntag, 12. November 2006

Parabel vom Schuster Kovic

Einst lebte der Schuster Kovic in der Woiwodschaft Lublin in einer klapprigen Kate und nagelte dort Schuhwerk für fahrendes Volk und Bäuerlein aus der Umgebung. Karg war sein Dasein, doch klagte er nimmer. Nur sein Sohnemann, der war nicht recht geraten. Der blutrünstige Paul Konopacka, wie man ihm im Dorfe hieß, vertrank die wenigen Silberlinge, die das bittre Schuhwerken eintrug, oder er trug sie ins Hurenhaus, denn er war den Dirnen und dem Opium zugetan wie sein armer Vater der harten Arbeit und dem gerechten Dasein vor Gottes Augen.
O, wie brach's dem armen Schuster stets von neuem das Herz, wenn er den Dreizehnjährigen spät nachts, vom Gift ganz entmenscht und mit dem Ruche der käuflichen Mädchen bepatzt, in die Werkstatt rumpeln sehen mußte! Zitternd stand da der gute Mann und hielt die Ahle in der geballten Faust, sie dem mißratnen Übelsohne ins dustre Herz zu rammen. Doch bracht' er es über sich? O nein, sein Vatersherz klammerte sich an einen letzten Hoffnungszipfel, daß der üble Nachkomme noch auf den rechtschaffnen Weg zurückfinde.
Eines Abends furchte der Trunkenbold erneut die Gastwirtschaft, dann die Weiber, und schließlich in Suff und Pfeifenrausch den jämmerlichen Gemüsegarten des bemitleidenswerten Schusters. Der nun wußte sich nicht mehr zu helfen und ließ die Faust auf den tranigen Heimkehrer niedersausen.
Da brach der Sündenpanzer vom Jüngling, und er schwor dem Met, den Mädchen und dem Rauchkraut ab, ward ein fleißiger und bescheidener Schustersgesell und alsbald sollte bis ins entfernte Warschau, ja, wie man hört, gar bis nach Lemberg der Ruf dringen, daß nirgends bessere Gamaschen geschustert werden wie beim Schuster Kovic & Sohn.

Mittwoch, 8. November 2006

Die Experten (Folge I)

Zlatz und meine Wenigkeit wuchten kubikmeterweise Altpapier durch einen staubverschleierten Keller, eine mickrig bezahlte Auftragsarbeit ganz in unserem Sinne: keine Kontrollinstanz, kein Zeitdruck, mitnichten ein Sinn.
Jedoch: hochgeistige Dialoge auf weltmännischstem Niveau.
Ich: "Wat is eigentlich Etatismus? Oder spricht man dat 'Eta-ismus' aus?"
Zlatz: "ETA-Hoffmannismus."

(Fragesteller siecht vor Lachen nahezu dahin.)


Nachtrag im Sinne einer Drohung:
Das Überschriftendetail "Folge I" soll darauf hinweisen, daß die Serie "Die Experten" mit ähnlicher Hartnäckigkeit, jedoch auf weitaus niedrigerem Niveau als die nicht kleinzukriegende Gewürzpoesie noch sehr, sehr lange Zeit fortbestehen wird.

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